Impulse für den Unterricht an der Maria-Ward-Schule Bad Homburg
Im Sportunterricht der Maria-Ward-Schule Bad Homburg wird Lernen nicht nur vermittelt – es wird erlebt. Ein Ansatz, der dabei zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist das sogenannte differenzielle Lernen. Dieses geht auf den Sportwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Schöllhorn zurück.
Im Kern steht eine einfache, aber ungewohnte Idee: Lernen entsteht nicht durch das möglichst fehlerfreie Wiederholen einer vorgegebenen Idealtechnik, sondern durch Variation, Abweichung und Anpassung. Bewegungen werden nicht vereinheitlicht, sondern bewusst verändert. Genau darin liegt der Lernprozess.
Im klassischen Unterricht wird häufig ein Bewegungsablauf vorgemacht, den die Schülerinnen möglichst exakt nachahmen sollen. Dieses Vorgehen kann funktionieren – stößt jedoch gerade in den unterschiedlichen Lerngruppen schnell an Grenzen. Das differenzielle Lernen setzt hier einen anderen Impuls. Es verzichtet weitgehend auf die Vorstellung einer „richtigen“ Bewegung und eröffnet stattdessen vielfältige Lösungswege.
Im Unterricht zeigt sich das beispielsweise in spielerischen Variationen. Ein bekanntes Spiel wie Gefängnisball wird nicht nur mit einem Ball gespielt, sondern mit ganz unterschiedlichen Materialien: kleine und große Softbälle, Handbälle oder sogar Tischtennisbälle. Jede dieser Varianten stellt neue Anforderungen. Die Schülerinnen passen ihre Wurfbewegung, ihre Kraftdosierung und ihr Timing automatisch an – ohne dass diese Anpassungen explizit vorgegeben werden müssen.
Ähnliche Erfahrungen lassen sich auch im Badminton beobachten. Statt ausschließlich mit dem Federball zu arbeiten, werden bewusst alternative Spielgeräte eingesetzt oder Schlagvariationen provoziert. Die Schülerinnen sind dadurch gezwungen, sich ständig auf neue Situationen einzustellen. Bewegungen werden nicht starr reproduziert, sondern flexibel weiterentwickelt.
Was zunächst ungeordnet wirkt, folgt dabei einem klaren Prinzip: Das bewusste „Durcheinanderbringen“ des Bewegungssystems liefert dem Körper neue Informationen. Aus diesen entsteht eine individuell passende und oft stabilere Lösung. Abweichungen werden nicht als Fehler verstanden, sondern als wertvolle Lernimpulse.
Besonders bemerkenswert ist dabei die Wirkung auf die Schülerinnen selbst. Der Unterricht wird häufig als abwechslungsreich, lebendig und motivierend erlebt. Viele Schülerinnen berichten, dass sie sich freier ausprobieren können und weniger Angst vor Fehlern haben. Lernen findet dadurch stärker eigenständig statt – und nicht ausschließlich durch Vorgaben von außen.
Dieser Ansatz entspricht in besonderer Weise dem Bildungs- und Erziehungsauftrag von Schule, der darauf abzielt, Selbstständigkeit und eigenverantwortliches Handeln zu fördern . Differenzielles Lernen schafft genau dafür die notwendigen Räume.
Die Erfahrungen aus dem Unterricht zeigen deutlich: Wenn Schülerinnen die Möglichkeit erhalten, eigene Lösungen zu entwickeln, entsteht nicht nur Bewegungskompetenz, sondern auch ein nachhaltiger Zugang zu Sport und körperlicher Aktivität.
„Es geht nicht darum, eine perfekte Bewegung zu erreichen, sondern darum, viele Wege kennenzulernen und daraus die eigene Lösung zu entwickeln“, so Tim Salomon.
Die Maria-Ward-Schule freut sich, diesen innovativen Ansatz im Sportunterricht umzusetzen und damit neue Impulse für einen zeitgemäßen, schülerorientierten Unterricht zu setzen.
Tim Salomon, Fachschaft Sport

