Wenn ich wieder klein bin
Anlässlich des Gedenktags an die Opfer des Nationalsozialismus besuchte die Jahrgangsstufe Q1/2 gemeinsam mit Herrn Biermann und Frau Dr. Fuhrmann eine Aufführung des Theater Laboratoriums Oldenburg.
„Wenn ich mit Kindern zusammen bin, dann leiste ich ihnen Gesellschaft und sie mir. Wir sprechen miteinander oder auch nicht. Es ist meine und ihre Stunde … und eine, die nie wiederkehrt.“
Janusz Korczak
Der polnische Jude Janusz Korczak, geboren 1878, gab seine erfolgreiche Karriere als Arzt auf, um als Erzieher in einem jüdischen Waisenhaus zu arbeiten, das er über 30 Jahre leitete. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verdüsterten sich die Lebensumstände zunehmend. 1940 wurde das Waisenhaus in das Warschauer Ghetto verlegt. Die Bedingungen dort waren katastrophal, doch Korczak stellte sich immer wieder schützend vor „seine Kinder“. Sie sollten keine Angst vor dem haben müssen, was kommen würde. Am 5. August 1942 begleitete er seine rund zweihundert Zöglinge in das deutsche Vernichtungslager Treblinka, wo sich seine Spur verliert.
Auf eindrucksvolle Weise zeigte das Theater Laboratorium Oldenburg mit dem Stück „Wenn ich wieder klein bin“, aufgeführt in der Aula des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums, Ausschnitte aus dem Leben des polnischen Juden, der unter dem Namen Henryk Goldszmit geboren wurde.
Der Schauspieler Pavel Möller-Lück war auf Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hochtaunus zu Gast und hauchte seinen Spielpuppen auf besondere Weise Leben ein. Zunächst ist es die lebensgroße Puppe „Perla“, die an seiner Seite zu einer liebenswerten alten Dame wird und aus ihrer Kindheit zur Zeit des Nationalsozialismus erzählt. Sie berichtet von einer Zeit, in der sie mit zwölf Jahren zum ersten Mal Doktor Korczak gegenübersteht – und in sein Waisenhaus einziehen soll. „Kannst du dir das vorstellen?“, fragt die alte Perla den Erzähler und Puppenspieler Möller-Lück. „Kannst du dir vorstellen, mit 100 Kindern zusammenzuleben?“ Nein, das kann er wahrlich nicht. Hundert Kinder – das sind schließlich auch hundert Paar Schuhe am Tag und 99 Zahnbürsten, denn eine wurde bereits gegen eine Maus eingetauscht.
Während Möller-Lück seinen Gedanken freien Lauf lässt, wird er auf der Bühne nach und nach vom Erzähler zu Janusz Korczak selbst. Die nun deutlich kleineren Puppen, die den Doktor und die junge Perla darstellen, unterstützen diesen Rollenwechsel. Sie holen auch das Publikum ab und entführen es in die Welt des Kinderheims – dorthin, wo es „gefühlt tausend Fragen am Tag“ gibt: Fragen über das Küssen, über Sommersprossen und über viele andere Dinge des kindlichen Alltags. Immer mehr kleine Puppen erscheinen auf der Bühne und löchern den Heimleiter Korczak mit ihren Fragen, bis dieser schließlich selbst beginnt, eine Geschichte zu erzählen.
Mit stets neuen Ideen, wechselnden Kulissen und Figuren, die Möller-Lück aus den zahlreichen Koffern, Schachteln und Körben seines Bühnenaufbaus hervorzaubert, gelingt ihm der Spagat zwischen verschiedenen Zeiten und unterschiedlichen Protagonisten. Die Stimmung wechselt dabei von fröhlich und heiter zu nachdenklich und bedrückt und wieder zurück. Allein durch den gezielten Einsatz von Stille und variierenden Stimmklängen.
Diese Veranstaltung ermutigt uns, nicht zu vergessen und uns unserer Verantwortung bewusst zu sein. Wir danken der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hochtaunus und dem KFG für die wunderbare Aufführung.

