130 Jahre Mädchenbildung in Bad Homburg v. d. Höhe

Ein Kurhotel als Schule? – Von der Gründung der Schule bis zum 1. Weltkrieg

 Der Standort der Maria-Ward-Schule direkt am Kurpark, in einem großen Gartengrundstück am Weinbergsweg, in nächster Nähe zum Kaiser-Wilhelmsbad, der Spielbank und den Brunnenanlagen stellt ein besonderes Merkmal dar. Aber wie kam es dazu, dass die Schule im ehemaligen Kurhotel „Zu den drei Kaisern“, dem späteren Dreikaiserhof ihren Platz fand und welche Umstände führten zu ihrer Gründung?

Diese wie auch der wunderbare Standort der Schule sind einem Zufall und glücklichen Umständen zu verdanken und besonders zwei Schwestern des Ordens der Englischen Fräulein: Schwester Maria Bonifazia Scherer und Schwester Maria Damascena Stegmüller. Schwester Bonifazia, die Oberin der Englischen Fräulein in Aschaffenburg, hielt sich in den Jahren 1892 und 1893 auf Anordnung ihres Arztes zur Kur in Homburg auf. Ihr fiel das schöne Kurhotel „Zu den Drei Kaisern“ auf, dieser beeindruckende Bau, der zur Erinnerung an das Drei-Kaiser-Jahr 1888, welches auch das Jahr Erbauung der Dreikaiserhofes war, mit überlebensgroßen Skulpturen der drei deutschen Kaiser auf der Balustrade der Terrasse geschmückt war.

Diese drei Stauten stellten Kaiser Wilhelm I, seinen Sohn Kaiser Friedrich II, der nur 99 Tage regieren konnte und dann verstarb, und dessen Sohn Kaiser Wilhelm II. dar. Die Statuen wurden Jahre später von der Balustrade entfernt, sodass heute nur noch Fotographien an diesen eindrucksvollen Anblick erinnern. 

Schwester Bonifazia und ihre Begleiterinnen nahmen während der Kur in Homburg am Mittagstisch im Dreikaiserhof teil, kamen ins Gespräch mit den Eigentümern und so entstand wohl der Gedanke einer Neugründung in Homburg. Diese Idee fand in Aschaffenburg Gehör und energisch nahm sich die Generaloberin des Ordens Schwester M. Damascena Stegmüller der Sache an.

Ursprünglich planten die Schwestern im Dreikaiserhof ein Erholungsheim für alte und kranke Schwestern einzurichten, dem dann eine höhere Mädchenschule angegliedert werden sollte. 1893 wurde der Kaufvertrag für das Grundstück und die Gebäude des Dreikaiserhofes unterschrieben. Für 200.000,- Goldmark erwarben die Schwestern das Anwesen samt Haus und sämtlichem Inventar. 

Der Dreikaiserhof war zu Beginn ein „Sommerhotel“ für den Kurbetrieb in der Kurstadt Homburg vor der Höhe, ab 1912 dann Bad Homburg vor der Höhe. Gekurt wurde hier bereits seit den 1840er Jahren, nachdem 1834 der Elisabethenbrunnen entdeckt worden war. Da der Kurbetrieb nur in den Sommermonaten stattfand, von „Johanni“ am 24. Juni bis „Maria Geburt“ am 8. September, hatten man beim Bau des Kurhotels „Dreikaiserhof“ auf Zentralheizung aber auch auf eine ausreichende Dämmung des Gebäudes verzichtet. Diese Aspekte führten in späteren Jahren zu zahlreichen, durchaus kostspieligen Umbauten und Installationen.

Die Gründung einer katholischen höheren Mädchenschule in der hessischen Diaspora durch einen in Bayern ansässigen Orden war jedoch nicht einfach, galten die Schwestern hier doch als Ausländerinnen und der Bedarf an einer weiterführenden Schule für Mädchen wurde von vielen Seiten angezweifelt. Doch ließen sich die Schwestern nicht von ihrem Vorhaben abbringen und suchten im Kultusministerium in Berlin um eine Genehmigung für ihre Schule nach. 

Man hatte große Pläne, denn die Schule sollte eine höhere Töchterschule sein, die zum Abitur führte und auf ein Studium an einer Universität vorbereiten sollte. Ganz im Sinne des jesuitischen Bildungsideals sollten auch alte Sprachen unterrichten werden. Pragmatisch richteten die Schwestern zunächst eine Fremdenpension ein, die bis zum 1. September 1989 fortbestand und zum Unterhalt der Schule beitrug.

Drei Jahre lang bemühten sich die Schwestern, bis endlich 1896, nach einem zähen Papierkrieg mit den Behörden, angefangen bei der Stadt bis hin zum zuständigen Ministerium in Berlin, die Genehmigung zur Niederlassung der Englischen Fräulein aus Aschaffenburg in Hessen und zur Errichtung einer Schule in Gonzenheim erteilt wurde. Unterstützt wurden die Schwestern von der Zentrumspartei im Land- und Reichstag und vom bischöflichen Ordinariat in Limburg.

Die Genehmigung hätte möglicherweise trotz dieses Beistandes noch länger auf sich warten lassen, hätte man nicht Unterstützung aus der Öffentlichkeit gehabt. Zum einen gab es eine Unterschriftenaktion der Homburger Bürger, die beim Reichstag in Berlin Druck ausgeübt hatte, und zum anderen setzte sich die Mutter von Kaiser Wilhelm II, Kaiserin Friedrich, bei ihrem Sohn für die Belange der Maria-Ward-Schule ein. Die Kaiserin Mutter hatte im Schloss Friedrichshof in Kronberg, dem heutigen Schlosshotel, ihren Witwensitz und stand dem Anliegen der „Englische Fräulein“ positiv gegen. Dies war insbesondere der Fall, weil die Kaiserin Mutter, als Engländerin von Geburt, es sehr begrüßte, dass die Englischen Fräulein den Unterricht in ihrem neu gegründeten Pensionat hauptsächlich in englischer Sprache abhalten wollten.

Aber der Wunsch, eine weiterführende, auf ein Studium vorbereitende und für dieses qualifizierende Höhere Töchterschule einrichten zu dürfen, wurde den Schwestern nicht erfüllt. In der Genehmigungsurkunde aus dem Regierungspräsidium in Darmstadt, datiert vom 8. August 1896, wird genehmigt, „…daß in Gonzenheim bei Homburg eine neue Niederlassung der Genossenschaft der Englischen Fräulein von Aschaffenburg und zwar zum Zwecke der Übernahme der Leitung und Unterweisung einer Haushaltungsschule für katholische Mädchen in nicht mehr schulpflichtigen Alter, 

Die Schwestern machten das Beste aus dieser Ausgangslage und bewarben erfolgreich das Pensionat und die private kirchliche Haushaltsschule St. Maria Villa Drei-Kaiser-Hof Bad Homburg. In einem Werbeprospekt für die Schule bot man an:

Vollständiger Unterricht in allem, was das Hauswesen betrifft, Deutsch, Buchführung, sowie alle weiblichen Handarbeiten von den einfachsten bis zu den feinsten.

Mit der Anstalt ist ein Pensionat für Ausländerinnen verbunden, wodurch den Zöglingen Gelegenheit geboten wird, sich in den fremden Sprachen zu vervollkommnen.

Prächtige, gesunde Lage in der Nähe des Waldes und der Kuranlagen.

Nachdem im August 1896 die Genehmigung für die Schule erteilt worden war, nahm man im Herbst 1896 den Betrieb auf. Als erste Schülerin wurde Eugenie von Beulwitz ins Schülerregister aufgenommen. 1898 wurden bereits 20 Schülerinnen an der Schule unterrichtet und im Jahr 1900 war dann die genehmigte Höchstzahl an Schülerinnen von 50 internen und 10 externen erreicht.

Aus finanziellen Gründen wurde der Kurgastbetrieb im Dreikaiserhof fortgesetzt. Gästezimmer wurden als Unterrichtsräumen bzw. als Kapelle und Sakristei genutzt. Auch der Lehrplan unterschied sich sehr von dem, was heute pädagogisch sinnvoll erscheint. Der Handarbeitsunterricht wurde von 8:00 Uhr in der Früh bis um 18:00 Uhr am Abend erteilt. Alle mussten daran teilnehmen, wenn sie nicht zu anderen, meist freiwilligen Unterrichtsstunden abberufen wurden. Es gab keine Elektrizität, nur Petroleumlampen, keine Wasserleitungen. So mussten die Schülerinnen fleißig dabei helfen, das Wasser zum Kochen und Waschen, für die Bäder der Schülerinnen, Schwestern und Gäste aus einem 15 m tiefen Brunnen bzw. aus dem Bach vor dem Hause in großen Kannen herbeiholen. Ihre Dienste wurden auch in der Küche benötigt.

Der sich aus dem Anwachsen der Anzahl von Schülerinnen entstehende Platzmangel ließ einen Anbau notwendig erscheinen. So wurde 1902/03 der erste Erweiterungsbau ausgeführt, in dem Räume für Handarbeits- und Theorieunterricht, Schlafsäle für Schülerinnen und Zimmern für Schwester, sowie ein Klavierzimmer eingerichtet wurden, all das jedoch ohne Zentralheizung und fließendes Wasser. Heizung und Wasserleitungen wurden erst sehr viel später, nach dem ersten Weltkrieg eingebaut.

Lehrpläne und Kerncurricula gab es noch nicht, die jüngeren Schülerinnen nahmen mehr theoretische Stunden, u.a. Geschichte und Erdkunde, die älteren wurden mit Kochen und Handarbeiten beschäftigt. Viel Wert wurde auf Betragen, Fleiß, Anstand und Ordnung gelegt. Neben Religion, Deutsch, Rechnen, Geographie und Geschichte wurde besonders die Konversation in Englisch und Französisch eingeübt. Der Kunstsinn der Schülerinnen wurde in den Fächern Malen, Klavier und Gesang gefördert.

Ganz praktisch orientiert war der Unterricht in Haushaltung, sowie hauswirtschaftlicher und geschäftlicher Buchführung, dem Zuschneiden von Wäsche und Kleidern, Nähen, Stopfen, Flicken, feineren Handarbeiten. Mit diesem Konzept unterrichteten die Ordensschwestern in der 1896 genehmigten Maria-Ward-Schule zunächst 50 interne und 10 externe Schülerinnen am Weinbergsweg im Villenviertel von Homburg vor der Höhe.

In den Zeugnissen aus dieser Zeit werden Rubriken vorgesehen – interessanterweise auch in dieser Reihenfolge – für

  • Betragen,
  • Fleiß,
  • Anstand
  • Ordnung,
  • Religion
  • Deutsch
  • Rechnen
  • Geographie
  • Geschichte
  • Französisch
  • Englisch
  • Malen, Klavier und Gesang
  • Theoretische und praktische Haushaltung
  • Hauswirtschaftliche und geschäftliche Buchführung
  • Zuschneiden von Wäsche und Kleidern
  • Nähen, Stopfen, Flicken, feinere Handarbeiten

In jener Zeit war das allgemeine Ziel für junge Mädchen die Ehe und das Versorgt-Sein in einer möglichst guten Position. Und so sollte das Institut ihre Schülerinnen zur selbständigen Leitung und Führung eines Haushaltes ausbilden und die Fähigkeiten zur gesellschaftlich angemessenen Konversation und gehobene Umgangsformen vermitteln.

Nun wurde auch die Kapelle erweitert und die Schule erhielt einen repräsentativen Kirchenraum, der auch für die gestiegen Zahl an Schülerinnen und Ordensfrauen ausreichen war. Ausgeschmückt wurde das neue Gotteshaus hauptsächlich mit Geschenken von Freunden, Kurgästen und Schülerinnen. Die Statue des hl. Joseph, die auf dem Josephsaltar ihren Platz hatte, befindet sich heute im Rektorat der Schule.

Der Kurbetrieb, der zum Unterhalt von Haus und Schule neben der Unterrichtstätigkeit fortgeführt wurde, nahm stetig zu. Unter den Kurgästen, die im Hause weilten, fanden sich hohe geistliche und weltliche Würdenträger aus dem In- und Ausland.

Einen Kurgastbetrieb neben der Schule zu betreiben, erwies sich als eine äußerst sinnvolle Entscheidung. Das Haus, ursprünglich als Kurhotel gebaut, bot die räumlichen Möglichkeiten und die Gewinne aus der Beherbergung und dem Angebot eines Mittagstisches dienten auch dazu, die Schule mitzufinanzieren. Gästezimmer wurden später, als die Schülerzahlen stetig stiegen, zu Unterrichtsräumen umfunktioniert oder als Kapelle und Sakristei genutzt. Die im verpflichtenden Handarbeitsunterricht produzierten stofflichen Erzeugnisse kamen den Kurgästen ebenso zugute wie die Fähigkeiten der Schülerinnen, welche im Hauswirtschaftsunterricht, im Kochen oder bei der Bestellung des großen Gartens erworben wurden. Das Grundstück am Weinbergsweg verfügte bald über mehrere Gewächshäuser, viele Obstbäume, eine stattliche Anzahl an Gemüse- und Blumenbeeten, aber auch über einen Tennisplatz und lauschige Plätzchen zwischen den Bäumen oder auf der großen Terrasse zum Ruhen während der Kur.

Der Kurgastbetrieb nahm bis zum Beginn des Krieges stetig zu. Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges war das Leben in der Maria-Ward-Schule still und ruhig. Fotographien aus dieser Zeit zeigen die Schülerinnen im Kurpark beim Genuss des Bad Homburger Heilwassers, auf dem Rückweg von einem Schulausflug auf den Feldberg in einem beeindruckenden Automobil oder, in der Mode der Zeit, hübsch drapiert für ein Klassenfoto. 

Bei Kriegsausbruch 1914 reisten die meisten Schülerinnen nach Hause und während der kommenden vier Jahre war ihre Zahl gering.

Im Schulhaus wurde vom vaterländischen Verein ein Hilfs- und Heim-Lazarett für Verletze aus Gonzenheim und seinen Nachbargemeinen eingerichtet, dass von den Ordensschwestern mitbetreut wurde. Die Schülerinnen schickte man nach Hause, denn der Schulbetrieb wurde eingestellt. Oft gab es Versorgungsengpässe und weil die verletzen Soldaten gut versorgt werden sollten, blieb wenig zu Essen für die Schwestern übrig. Monatelag gab es nur Kartoffeln und Rüben, so dass einige der Schwestern bereits unter gesundheitlichen Störungen litten.

Doch wurden die gute Führung der Heilanstalt und die gewissenhafte Verpflegung der Lazarettinsassen von den Behörden anerkannt. 

Und so endete der 1. Weltkrieg im Dreikaiserhof mit der Verleihung der „Rote Kreuz Medaille“ dritter Klasse an die Mutter Oberin Sr. Maria Bonifazia und Schwester Maria Elisabeth und an Schwester Maria Elisabeth. Das Institut erhielt am 13. Juli 1918 ein lobendes Dankschreiben der Militärverwaltung, in dem sich die Militärverwaltung für die gute Führung der Heilanstalt und die gewissenhafte Verpflegung der Lazarettinsassen bedankte.

Die Zwischenkriegszeit

1920 wurde die Schule dann wieder geöffnet. Zunächst war es das Ziel der Schwestern, die Schäden, welcher ein Lazarettbetrieb von sechs Jahren Dauer im Gebäude hinterlassen hatte, zu beheben. Die Situation war ganz und gar nicht einfach für die Schwestern, da die seit 1914 zunehmende Inflation und die Weltwirtschaftskrise 1923 in einer Hyperinflation gipfelten. Das Geld verlor seine Kaufkraft und die Schwestern fanden kaum genug Barmittel, um alle Schülerinnen zu ernähren. In Vorkriegszeiten betrug das Schulgeld 60 Mark, dies belief sich nun auf 60 Billionen Mark! Um einem kompletten Wertverlust dieser Zahlungen zu begegnen, zahlten die Eltern in Naturalien, wie Eier, Milch, Getreide oder Schuhen.

Gleichwohl fanden in dieser Zeit auch Konferenzen und Kongresse in der Schule statt, insbesondere Verhandlungen zur Klärung von Problemen im klerikalen Umfeld, aber auch brisante politische Fragen wurden, unbemerkt von der Öffentlichkeit, im ehemaligen Dreikaiserhof geführt. Unter den Gästen fanden sich geistliche und weltliche Würdenträger aus dem In- und Ausland, Bischöfe, Minister, Abgeordnete des Landtages oder des Reichstages, auch ein russischer Konsul wird im Gästebuch aufgeführt

Beispielsweise kamen der Bischof von Mainz Georg Heinrich Maria Kirstein oder der Bischof von Trier Franz Bornewasser jährlich zur Kur. Wenn die Bischöfe von Mainz., Trier, Fulda und Limburg zur Kaiserlichen Tafel ins Homburger Schloss geladen wurde, wohnten sie immer einige Tage im Dreikaiserhof. Auch Geistliche aus Irland, unter ihnen ein weiterer Bischof, waren Hausgäste, ferner werden ein russischer Konsul und verschiedenen Abgeordnete des Reichstages in der Gästeliste des Hauses geführt.

Ausgangspunkt für die ersten Veränderungen an der Schulform war die in den zwanziger Jahren sich entwickelnde Nachfrage nach Schulen für ältere Schülerinnen. Durch die überall fleißig gegründeten Töchterheime, Fortbildungsschulen, Haushaltschulen oder ähnliches erwuchs der Maria-Ward-Schule vielfältige Konkurrenz.

Die Situation war so unübersichtlich, dass sich das Ministerium für Handeln und Gewerbe, dem diese Schularten unterstanden, 1924 genötigt sah, einen Erlass zur Regelung der Genehmigung für diese Lehranstalten in Kraft zu setzen. Zukünftig musste jedes Institut, das den Namen Haushaltschule offiziell führen wollte, eine Reihe von Auflagen erfüllen: Die vom Ministerium vorgegebene Stundentafel war einzuhalten, der Unterricht musste von qualifizierten Lehrkräften erteilt werden, die entsprechenden Baulichkeiten und notwendigen Einrichtungen sollten vorhanden sein. Nun musste auch die Maria-Ward-Schule neu genehmigt werden. Dazu wurden die im Ministerialerlass vorgeschriebenen Unterrichtsräume in der Zeit von 1924 bis 1926 geschaffen: Ein Bügelzimmer und Fachräume wie ein Nähsaal sowie weitere Unterrichtsräume entstanden. Gleichzeitig wurde eine ordnungsgemäß ausgebildete Gewerbelehrerin eingestellt, um eine weitere Bedingung für die Erteilung der Genehmigung zu erfüllen. Außerdem kaufte die Institutsgemeinschaft das Nachbargrundstück mit der dortigen Villa Eldorado, die zum „Haus Maria Ward“ gewandelt wurde und bis 1989 zur Unterbringung von Schwestern, Schülerinnen und Gästen diente. 1926 traf dann die staatliche Anerkennung der Haushaltsschule ein.

Das Leben in der Schule scheint arbeitsam aber gesellig gewesen zu sein. Bilder zeigen die Schülerinnen beim gemeinsamen Musizieren oder beim Besorgen der Wäsche – sowohl der eigenen als auch jener der Schwestern, der Haushaltswäsche und der Wäsche der Kurgäste. Außer zu den Hausarbeiten wurden die Schülerinnen auch zur Arbeit im Garten der Schule herangezogen, da man neben den Blumen, die für den Altar- und Kapellenschmuck benötigt wurden, auch Obst und Gemüse zur Selbstverpflegung kultivierte. Arbeit und Freizeit wechselten sich ab und Feste, wie die jährlichen Fastnachtsfeierlichkeiten wurden ausgiebig genossen. Die Schülerzahlen wuchsen langsam aber stetig und die Schule etablierte sich in der Stadt und der Schullandschaft mehr und mehr.

 Als schöne Tradition wurde ein jährlich stattfindender „Altzöglingstag“ eingeführt, ein Ehemaligen- oder Alumni-Treffen, das sich großer Beliebtheit erfreute, wie die Fotos von diesen Treffen zeigen.

Anfang der 1930er Jahre stand die nächste Veränderung an der Schulform ins Haus, denn in den zwanziger Jahren begann sich das Erziehungsziel für junge Mädchen in Richtung Mutterschaft, Säuglingspflege und Kindererziehung zu verschieben. Angeregt durch einen ministeriellen Erlass aus dem Jahr 1931 über die Errichtung von „Kinderpflege- und Hausgehilfinnenschulen“, bemühten sich die Schwestern um die Genehmigung dieser neuen Schulform, die am 2. Mai 1931 erteilt wurde.

Der Zeitgeist spricht aus der Begründung für die Relevanz dieser Schulform, denn hier werde „die Verbindung von hauswirtschaftlichen und kinderpflegerischen Kenntnissen und Fertigkeiten und die rechte Vorbildung für Mütter und den Hausangestellten eine bessere Schulung für die Mitarbeit bei den Arbeitgeberinnen“ vermittelt. Im Juni 1932 wurde die Schule durch die visitierende Direktorin der hauswirtschaftlichen Schulen in Wiesbaden hoch gelobt und im Herbst des Jahres veranstaltet man ein großes Tennisturnier auf dem Tennisplatz der Schule, dem auch die Kurgäste beiwohnten und die Siegerinnen im Einzel- und Doppelspiel ehrten.

Die Schule während der NS-Herrschaft

Das Angebot der Schule wurde 1935 mit der Einrichtung einer Hausfrauenklasse wiederum erweitert. Diese war als hauswirtschaftliche Ausbildung für Schülerinnen nach Abschluss eines Lyceums gedacht. Der Lehrplan wurde ohne Vorgaben und Einschränkungen von Seiten des Ministeriums genehmigt. Damit gab es an der Maria-Ward-Schule nun drei Schulformen: Die Haushaltschule, die Hausfrauenklasse und die Kinderpflege- und Haushaltsgehilfinnenkurse. 

Bild 36 Ab 1937 durfte die Schule die Bezeichnung Hauswirtschaftliche Berufsfachschule führen und am 18. August 1937 wurde das 40jährige Bestehen der Schule mit einem Festakt begangen.

In der Rückschau scheint die Zeit zwischen den Weltkriegen, die in prekärer Not begann und dann zum erfolgreichen Ausbau der Schule in baulicher Hinsicht und in Bezug auf das schulische Angebot führte, eine Ära der Umwälzungen gewesen zu sein. Es gelang, die Schule nach der Nutzung als Lazarett wiederherzustellen, sie in der Zeit der Weltwirtschaftskrise zu erhalten und durch Modernisierung und Umstrukturierung in der Schullandschaft der Stadt als feste Größe zu etablieren.

Es stellt sich die Frage, wie die Maria-Ward-Schule und die sie leitende Schwesternschaft der Englischen Fräulein sich in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur verhalten haben und wie eine christliche Schule bestehen weiter konnte, da das Nazi-Regime doch in alle Lebensbereich eingriff und auch die christlichen Kirchen entbehrlich machen wollte. In der Schulchronik ist das tastende Lavieren greifbar, in Formulierungen, die nach außen hin eine Anpassung vermuten lassen. So wird vermerkt, dass mehr und mehr Schülerinnen dem BDM, dem Bund deutscher Mädel, beitraten. Für das Schuljahr 1938/39 sind dies 90% der Schülerinnen und ein Jahr später dann alle Schülerinnen.

Im Sommer 1935 waren die Schülerinnen geschlossen der „Opferkammerradschaft des VDA“, dem „Volksbund für das Deutschtum im Ausland“ beigetreten und eine der Ordensschwestern erhielt einen Ausweis als Amtsträgerin des VDA und eine Anstecknadel. Ab 1936 werden als Beitrag der Schwestern und Schülerinnen zur NSV, der „Nationalsozialistischen Wohlfahrtsfront“, zweimal jährlich Sachspenden in Form von Kleidern und Spielzeug aufgeführt.

Auch die Lehrpläne, zu deren Einsendung beim Ministerium für alle drei Schulformen die Schulleitung aufgefordert wurde, spiegeln den Zeitgeist wider, wenn es dort z.B.  heißt: „Wir wollen aber die Mädel nicht nur zu Hausfrauen und Müttern erziehen, sondern auch zu Volksgenossinnen, die in Blut und Boden fest verwurzelt sind.“

Nun aber streckte das NS- Regime seine Hände auch nach der ordensgeführten Maria-Ward-Schule aus. 1939 gab das Ministerium für Erziehung und Unterricht neue Bestimmungen für die Führung und Einrichtung von Haushaltschulen heraus, in denen es hieß, dass nur solche Schulen, die in der inneren Unterrichtsgestaltung, dem Lehrplan etc. eine eindeutige nationalsozialistische Haltung erkennen ließen, weiter bestehen konnten. Erklärtes Ziel der Schwestern war es, die Schule so lange wie möglich offen zu halten, gab es doch nach Kriegsausbruch 1939 im Jahr darauf immerhin 23 Internatsschülerinnen und 21 Externe, ein Jahr später waren es 60 Schülerinnen. Diese wurden zu zahlreichen Arbeitsdiensten herangezogen. So mussten sie an schulfreien Nachmittagen Feldarbeit und Erntehilfe leisten, alleinstehenden Frauen, deren Männer im Krieg waren, im Geschäft, auf dem Hof oder im Haushalt helfen oder nach Fliegerangriffen Aufräumarbeiten durchführen. Im Schnitt kamen so zum regulären Unterricht noch 25 – 27 Stunden körperliche Arbeit für jede Schülerin dazu.

Bis 1940 konnte die Schule fortgeführt werden, wobei der Zeitgeist seine Spuren nun deutlicher im Schulbetrieb hinterließ. Beispielsweise sollten sich die Schülerinnen in der mündlichen Abschlussprüfung der Haushaltschule am 18. und 19. März 1940 mit der Aufgabe auseinandersetzen: Wie lassen sich Salate aus Gemüseresten herstellen?“ In der mündlichen Prüfung für die Kinderpflege- und Haushaltgehilfinnen sollten die Absolventinnen, die „Symbole des dritten Reiches [auflisten]“ oder „Die Gründe, die uns in den Krieg zwangen“ nennen.

Dann musste das Schulhaus geräumt werden und erneut wurde ein Lazarett für bis zu 100 Verletzte in den Räumen eingerichtet. Mehr als 50 Schülerinnen blieben jedoch noch weiterhin im Institut, wurden im Gästehaus, dem „Haus Maria“ untergebracht und unterstützen die Schwestern beim Versorgen der Lazarettküche und in allen hauswirtschaftlichen Tätigkeiten. Bis 1941 konnte die Schule offengehalten werden. Dann kam jedoch im November 1941 die Verfügung aus dem Regierungspräsidium, die Schule zu schließen, der 1943 nochmal bestätigt wurde, weil „… für das Weiterbestehen der Schule kein Bedürfnis“ bestehe. Endgültig war klar: Eine von einem kirchlichen Orden getragene Schule war den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge.

Konnten die Schwestern sich dem seit 1933 steigenden Einfluss der nationalsozialistischen Ideologie auf die Schule und ihre Existenz in Bad Homburg entziehen? War ihre Anpassung äußerlich? Dies steht zu vermuten, denn im Nachtrag zur Schulchronik aus dem Sommer 1944 heißt es: „…  All unsere Unterwerfungen unter die Vorschriften der Nazibehörden waren nur äußerlich, um den Fortbestand der Schule möglichst lange zu sichern – Wir mussten aber den Schülerinnen die Augen öffnen, sie durften nicht im Unklaren bleiben, über das, was die NSDAP wollte und durch Einrichtung und Gesetz vorschreibt, niemals aber haben wir die Anschauungen und Forderungen bejaht, wenn sie gegen Gottesgebot zielten.“

1944 kam dann das endgültige AUS für die Schule. In ihren Räumen wurden 20 Ausgebombte aus Frankfurt untergebracht, die Kurverwaltung beschlagnahmte Zimmer für Kurgäste und im Waschhaus arbeitete die orthopädische Firma Habermann aus Frankfurt als kriegswichtiger Betrieb. Zugleich nahmen die Schwestern fünf Mitschwestern aus dem ausgebombten Mutterhaus in Aschaffenburg auf, sodass sie 200 Personen zu verpflegen hatten bis am Karfreitag, dem 30.3.1945 die Amerikaner Bad Homburg besetzen und dem Krieg ein Ende bereiteten.

Von 1945 bis in die 60iger Jahre

Am Karfreitag 1945 war in Bad Homburg der Krieg zu ende.  Viel Unsicherheit aber blieb und eine „Stunde null“ gab es hier ebenso wenig wie im übrigen Deutschland. Das Lazarett bestand weiter, die Schulchronik vermerkt Zuströme an Verwundeten, z.T. auch von Soldaten, die bereits in alliierte Gefangenenlager verlegt worden waren, jedoch wegen der Schwere ihrer Verletzungen ins Lazarett zurückgebracht wurden. Das Lazarett wurde von amerikanischen Soldaten bewacht, um eine Desertion der verletzen Soldaten zu verhindern. Zum Teil werden auch KZ-Insassen hergebracht, halbverhungert seien sie, heißt es in der Schulchronik, die Versorgungssituation blieb schwierig.

Bereits im Mai jedoch nahmen die Schwestern den Schulbetrieb, wenn auch noch inoffiziell, wieder auf, auch wenn das Lazarett noch im Haus war. Mit diesem Schritt waren die Schwestern der Organisation des Schulbetriebes durch die Stadt weit voraus, die eine Wiederaufnahme des Schulbetriebes erst für den Herbst 1945 plante. Die größeren Mädchen wurden in Kochen, Handarbeiten, Kurzschrift oder Schreibmaschine unterrichtet, die schulpflichtigen Mädchen und auch Jungen unterrichtet man in Deutsch, Rechnen und Englisch. Die Häuser in der unmittelbaren Nachbarschaft wurden von den Amerikanern beschlagnahmt, die Schwestern entgingen diesem Schicksal. Jedoch wurde die Situation im Lazarett kritisch, da in das Haus „Maria-Ward“ Anfang Juni 1945 mit Kranken, die an Ruhr oder Tuberkulose litten, belegt. Da sich die Rotkreuzhelferin, für die Pflege dieser ansteckend Erkrankten zuständig waren, sehr scheute, ihre Aufgabe zu erfüllen, waren die Schwestern zur Stelle. Schwester Elisabeth, die aus ihrem Lazarettdienst während des 1. Weltkrieges über reichlich Erfahrung verfügte, übernahm die Pflege der schwer Erkrankten.

Gleichzeitig wurde beim Obertaunuskreis um die Genehmigung für Wiedereröffnung der hauswirtschaftlichen Berufsschule nachgesucht, die am 24. November 1945 final erteilt wurde. 50 Schülerinnen traten in die Schule ein. Der Internatsbetrieb konnte noch nicht wieder aufgenommen werden, da es an Heiz – und Lebensmitteln und insbesondere an Platz mangelte, weil noch bis April 1946 Verwundete und der Ausgebombte im Schulhaus und im Haus „Maria-Ward“ untergebracht waren. Die Wiedereröffnung einer Kinderpflege- und Hausgehilfinnen- Schule ließ bis zu Ostermontag 1945 auf sich warten, nachdem die Schwestern in Bezug auf eine etwaige Zugehörigkeit zu NS-Organisationen und nationalsozialistischer Gesinnung überprüft und entlastet worden waren.

Nachdem Mitte Mai 1946 auch die orthopädische Werkstatt Habermann, die während des Krieges als kriegswichtiger Betrieb in das Waschhaus des Dreikaiserhofes verlegt worden war, aus diesen Räumen ausgezogen war, waren Schulhaus und Wirtschaftsgebäude endlich wieder frei für einen geregelten Schulbetrieb. Alles wurde gesäubert, desinfiziert, geputzt, ausgebessert und renoviert und dann konnte am 13. August 1946 feierlich das Schulhaus wieder eingeweiht werden. 

Zum neuen Schuljahr 1947/48 waren bereits 100 Schülerinnen an der Schule eingeschrieben. Auch das Haus Maria Ward diente bereits wieder zur Unterbringung von Gästen, denn es wurden dem Haus Herren vom Zonenfinanzamt zugewiesen und im Frühjahr kamen wieder Kurgäste. Auch die Tagungstätigkeit wurde wieder aufgenommen: Zum Beispiel tagte unter der Leitung der Bischöfe von vom Mainz und Passau die Liturgische Kommission im Haus.

Kulturelle Highlight waren neben den Bach-Abenden ab 1947 die mehrere Jahre lang, am Ende des Sommers stattfindenden Freilichtspiele, die im Garten vor dem Haupthaus zur Aufführung kamen.

1947 wurde der aus dem Mittelalter stammende „Arme Heinrich“ von Hartmann von Aue gegeben, 1948 “Der Diener zweier Herren“ das wohl bekannteste Bühnenstück des italienischen Dramatikers Carlo Goldoni von 1746. 1949 dann „Der Pfarrer vom blühenden Weinberg“ von Felix Timmermanns aus den 1920er-Jahren, zur Aufführung. Im Jahr darauf wurde „Tartüff“ von Moliére dargeboten. Alle Stücke waren erfolgreich. Die Schülerinnen halfen eifrig mit bei den Vorbereitungen wie dem Nähen der Kostüme und der Maske, und übernahmen einige Rollen oder sangen im Chor.

Die Freiluftspiele zeigen wie auch andere Festlichkeiten in der Schule eine weitere Öffnung zur Gesellschaft hin an. Auf den Schulfesten wurde mit öffentlichen Darbietungen eine „Neue Form der Geselligkeit“ erlebt, Kassenfahrten führen die Schülerinnen z.B. nach Limburg oder in den Spessart.

Höhepunkte waren die Besuche des Bischofes in der Schule und bei den Schwestern und Schülerinnen, die ihn bewirteten und beschenkten.

Auch das Miteinander von Schwestern und Schülerinnen wirkt vertraut und offen. Die Schwestern sind „mittendrin“ im Schulleben, bei den Ausflügen oder dem Betrachten der Sonnenfinsternis im Jahr 1953.

In schulischer Hinsicht veränderte sich ebenfalls vieles. Die Konzentration bei der Frauenbildung auf die Vorbereitung auf die Rolle als Mutter und Hausfrau wurde zugunsten neuer Schwerpunkte aufgegeben, auch um den Bedürfnissen der berufstätigen Frau in den Jahren des Wirtschaftswunders besser entsprechen zu können. 1952 entstand eine zweijährige hauswirtschaftliche Berufsfachschule mit dem Ziel der sozialen mittleren Reife und einer Grundausbildung, in den Klassen 9 und 10, in den Berufsfeldern Ernährung/Hauswirtschaft und Sozialpädagogik. Ein drittes Ausbildungsjahr führte zum Abschluss als Kinderpflegerin.

Das Leben in der Schule und im Internat lief beschaulich weiter. Arbeit, Studium und ein geselliges Miteinander prägten den Alltag der Schülerinnen unter den mehr oder weniger strengen Augen der Maria-Ward-Schwestern. Die hauswirtschaftlichen Erzeugnisse der Schülerinnen wurden in jährlich stattfindenden Ausstellungen und Präsentationen dargeboten.

Die inhaltlichen Veränderungen und die steigenden Schülerzahlen erforderten dann Mitte der 60er-Jahre wiederum neue Räumlichkeiten. Das nördlich des Dreikaiserhofes gelegene Josephshaus, ursprünglich für das Hotelpersonal gebaut und von den Schwestern für die Kleintierhaltung und Landwirtschaft genutzt, wurde abgerissen. An seiner Stelle entstand von 1965 bis 1967 ein einen Innenhof umschließender Schultrakt mit Sporthalle, Klassen- und Fachräumen.

Die zweijährige Berufsfachschule mit hauswirtschaftlich- pflegerischer und sozialpädagogischer Richtung konnte nach 8 Schuljahren an einer Regelschule besucht werden. Der Besuch der Schule galt als Ableistung des 9. Schulbesuchsjahres und nach diesem einen Jahr konnten sich die Schülerinnen je nach Eignung, Begabung, Wunsch und Neigung entweder für einen hauswirtschaftlich-pflegerischen Zweig oder für die sozialpädagogische Richtung entscheiden.

Die staatlichen Abschlussprüfungen an der Schule bildeten den mittleren Bildungsabschluss bzw. den Berufsausbildungsabschluss einer Kinderpflegerin. Am 19. Juni 1967 wurde der Neubau mit einem feierlichen Festakt eingeweiht. Nun konnten bis zu 160 Schülerinnen in der Schule beschult werden. Der Internatsbetrieb wuchs ebenfalls. Es gab jetzt 60 Internatsplätze in 1-, 2- und 3-Bettzimmern, sowie eigene Studier-, Lese-Wohn- und Speiseräume. 1968 wurde die Frauenfachschulklasse 1 genehmigt. In dieser wurden Lehrerinnen für Handarbeit bzw. Hauswirtschaft ausgebildet.

Von 1970 bis in die Gegenwart

1970 erfolgte die Umwandlung der Frauenfachschulklasse 1 in eine einjährige Berufsfachschule für Realschulabsolventinnen (mit der Fachrichtung Hauswirtschaft). Berufsbildung verstand man an der Maria-Ward-Schule als wesentlichen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung und sah in ihr nicht nur den praktischen, sondern auch den pädagogischen Nutzen. Dieses 11. Schulbesuchsjahr vermittelte den Schülerinnen spezielle Kenntnisse in Hauswirtschaft und Ernährung oder Wirtschaft und Verwaltung. Die Schülerinnen konnten sich wahlweise auch zur Kinderpflegerin qualifizieren lassen.

1988 wurde das schulische Angebot ergänzt um eine Höhere Handelsschule mit der Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung. Die Berufsfachschule der Maria-Ward-Schwestern nahm nun Schülerinnen nach dem 8. oder 9. Schuljahr auf und führte sie in zwei weiteren Jahren zum Realschulabschluss. 

Im selben Jahr feierten die Schwestern mit einem Festakt in der Turnhalle das 100jährige Bestehen des Dreikaiserhofes. Jetzt wurden 145 Schülerinnen von 16 Lehrkräften unterrichtet.

Das Schuljahr 1990/91 war insofern ein besonders, da sich die Schwestern um ein Qualitätssiegel und eine damit verbundene Förderung bemühten, als sie einen Antrag auf Anerkennung als „Schule besonderer pädagogischer Prägung“ stellten. Die Antragsschrift war mehr als 250 Seiten stark und stellte das pädagogische Handeln der Englischen Fräulein und ihrer Schule in Bad Homburg heraus.  Darin heißt es: Ganzheitliche, christliche Erziehung soll den jungen Menschen befähigen, hinter dem rationalen Wissen den umfassenden, sinnstiftenden Zusammenhang von Gottes Schöpfung zu erleben. – Ganzheitlich meint auch, dass allgemeine und berufliche Bildung zu dem Ziel vereint werden, allen Mädchen eine Chance im Leben zu eröffnen.

Gleichzeitig wurde der Antrag auf Genehmigung einer Realschule gestellt, die der Berufsfachschule angegliedert wurde. Damit konnten Schülerinnen ab der 5. Jahrgangsstufe aufgenommen werden.

Dafür waren wiederum Sanierungs- und Umbauarbeiten notwendig. Neben den Zuschüssen von Stadt, Kreis und Bistum sorgten die Schwestern für die Bereitstellung der benötigten finanziellen Mittel, indem sie das Haus „Maria-Ward“ verkauften. Es entstanden neue Klassenräume im Kappellentrakt. Dabei wurde der alte Eingang ist Schulhaus, mit den Räumen für die Schwester Pforte aufgegeben und der Eingang zum Schwesternhaus zum Schulhof hin verlegt. 1994 wurden neue Räume für den Unterricht in den Naturwissenschaften fertiggestellt.

1986 wurde das 100jährige Bestehen der Maria-Ward-Schule gefeiert. Die Schülerzahlen steigen weiter, nun wurden schon 400 Mädchen an der Schule unterrichtet.

Kapelle, umgewidmet. Die Schwestern gaben diesen 1967 im Rahmen der großen Umbauarbeiten entstandenen Kapellenraum, der für die wenige Schwestern viel zu groß geworden war, auf. Die heutige Aula entstand. Die nebenliegende Sakristei wurde umgestaltet und dient jetzt als Kapelle. An sie schließt sich linksseitig eine kleine Sakristei an.  Die allererste Kapelle war im Zimmer 20 des Kurhotels eingerichtet worden, zur Vergrößerung wurden die Wände zu den nebenliegenden Zimmern durchbrochen und 1902 war dann ein neuer Kapellenbau entstanden.

Um für die Realschule und die wachsende Anzahl an Schülerinnen einen Versammlungsraum zu schaffen, wurde 1996 die große Kapelle, der Nachfolgebau der zweiten 

Um die Schule für das nächste Jahrtausend bereit zu machen, um ihre Finanzierung zu sicher und um der Schule ein Perspektive zu eröffnen angesichts der deutlich sinkenden Anzahl Schwestern, die noch für den Schuldienst zur Verfügung standen, wurde die Schule 1999 in eine Stiftung überführt. Die Stiftung wird getragen von der Congregatio Jesu, dem Bistum Limburg, dem Hochtaunuskreis und der Stadt Bad Homburg. Die Berufsfachschule wurde aufgrund der stetig sinkenden Nachfrage zum Schuljahr 2003/04 aufgegeben.

Die nächste große Veränderung kam 2013, als der Realschule ein berufliches Gymnasium mit dem Schwerpunkt Wirtschaft beigefügt wurde.

Es unterrichten auch keine Schwestern mehr an der Schule. Mit der Ablösung von Schwester Monika als Schulleiterin im Jahr 2006 endete die Zeit der Ordenslehrkräfte an der Schule.

2020 erfolgte die nächste konzeptionelle Änderung: Mit dem grundständigen Aufbau von zwei gymnasialen Eingangsklassen bei gleichzeitiger Reduktion der Anzahl an Realschulklassen von drei auf zwei, erweiterte die Schule ihr Angebot. 2025 erfolgte die staatliche Anerkennung aller drei Schulformen. Damit ist das Ziel, mit dem die Ordensschwestern vor 130 Jahren an die Gründung einer Schule für Mädchen in Bad Homburg herantraten, endlich erreicht.

Den zeitlichen Erfordernissen entsprechend wandelte sich das schulische Angebot der Maria-Ward-Schwestern in Bad Homburg. Was ist die Konstante im Wandel? Es ist der Wunsch und die durch die Ordensgründerin auferlegte Pflicht zur Mädchenerziehung, die ihr Ziel nicht nur in der Vermittlung von Fachkenntnissen und Fähigkeiten, sondern in einer ganzheitlichen Bildung der Schülerinnen im christlichen Sinne sieht. Daran ließen sich die Schwestern auch durch die widrigsten Umstände nicht hindern, sei es durch die Unterbringung von Verletzen und ansteckend Erkrankten während der beiden Weltkriege, sei es durch Raummangel oder Versorgungsengpässe in Kriegszeiten oder durch die materielle Not während Weltwirtschaftskrise und Inflation. Sie haben die Schule durch stürmische Zeiten geführt, das Ziel nie aus den Augen verloren und diese Haltung den ihnen Nachfolgenden Schulleiterinnen und Lehrkräften mit auf den Weg gegeben.

Offen für den gesellschaftlichen Wandel und die sich verändernden gesellschaftlichen Anforderungen an Bildung und Erziehung hat die Schule sich stets entwickelt. Insgesamt elf Schulformänderungen seit dem Bestehen der Schule beweisen dies auf sinnfällige Weise.

Die Schule steht gestärkt im Jetzt, ist, durch Schulpartnerschaften und das ErasmusPlus-Programm international verbunden, mit Zertifikaten und Gütesiegeln versehen, bereit, im Wandel Kontinuität zu finden und weiterhin offen für Veränderungen. Wir haben noch Großes vor.

Bad Homburg in Mai 2026, Dr. Leonie Fuhrmann, Schulleiterin und Stiftungsvorstand